Teestil, Herkunft, Erntedatum, Zubereitungsempfehlung: Auf den ersten Blick sind das alle Eckdaten, die du über unsere Tees wissen musst. Doch hinter ihnen steckt weit mehr, als auf der Verpackung steht. In diesem Artikel wollen wir ein paar der unerzählten Hintergrundgeschichten und besonderen Details unserer fünf Himalaya-Tees beleuchten. Manche davon werden dich überraschen!

Silver Needle Full Moon
Unser einziger weißer Tee wird ein paar Mal im Jahr in sehr kleinen Mengen geerntet. Nachts bei Vollmond versammeln sich die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner und ziehen auf die Felder. Mit Fackeln leuchten sie sich den Weg, während sie die jüngsten, noch geschlossenen Knospen der Teepflanze von Hand pflücken. Die Idee des Silver-Needle-Tees stammt aus China, sein Name spielt auf den feinen silbrigen Flaum an, der die jungen Knospen bedeckt. Rund 10.000 davon braucht es für ein einziges Kilo – das macht diesen Tee zum seltensten unserer Kollektion.
Die Vollmondernte wurde in Darjeeling im Sinne der biodynamischen Landwirtschaft entwickelt. Von zwei Tagen vor bis zwei Tage nach dem Vollmond sollen die Pflanzen einen Höhepunkt innerer Bewegung und Energie erreichen. Die Annahme: Der Einfluss des Mondes auf die Gezeiten wirkt auch auf den Wasser- und Saftfluss in der Teepflanze und zieht ihn aus den Knospen ab, sodass deren Aroma konzentrierter ist. Diese flüchtige Intensität wird festgehalten, indem die Knospen ohne Rollen getrocknet werden – so bleiben sie intakt und oxidieren nur leicht. Die minimale Verarbeitung macht diesen Tee zum reinsten Ausdruck des Blattcharakters, bewahrt bis er sich in deiner Tasse entfaltet: bemerkenswert zart und süß, mit weichen, blumigen Noten und einer feinen Textur, die am Gaumen fast schwerelos wirkt. Warm serviert ist er köstlich – und ergibt auch eine hervorragende kalte Erfrischung.
Himalaya Spring
Der leichteste unserer schwarzen Tees ist ein Erwachen nach langer Ruhe. Im Winter sparen die Pflanzen Energie und Nährstoffe; unter 12 °C stoppt das Wachstum vollständig. Mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen und dem wärmeren Wetter treiben grüne Knospen aus und bringen die gesamte gespeicherte Energie der vergangenen Monate in ihr langsames, behutsames Wachstum ein.
Himalaya Spring ist der einzige unserer Tees, der an einem einzigen Tag gepflückt wird. Der Winter vor der Ernte am 12. April 2025 war ungewöhnlich. Auf unsaisonalen Regen im November folgten eine lange Trockenphase und ein vergleichsweise milder Winter. Das erzeugte kontrollierten Trockenstress in den Pflanzen, konzentrierte die Aromastoffe und verstärkte die Geschmacksentwicklung. Das Wachstum verlief langsam und ausgewogen; ein leichter Regen kurz vor der Ernte glättete schließlich die Kanten des Profils und fügte Nuancen hinzu. Das Ergebnis ist ein Frühlingstee mit Helligkeit und Tiefe zugleich.
Die Blätter für diesen Tee werden sanft gerollt, danach aber nicht weiter oxidiert. Für einen schwarzen Tee ist das untypisch, denn per Definition ist er normalerweise vollständig oxidiert. Mit seiner hellen Farbe und der feinen Adstringenz wird Himalaya Spring alle begeistern, die grünen Tee lieben.
Second Musk Flush
Second Flush bezeichnet eine Sommerernte – die Zeit, in der die Blätter durch das wärmere Wetter schneller wachsen. Musk verweist auf das Aroma, das an Muskatellertrauben erinnert: leicht süß mit einem Hauch warmer Würze.
Besonders macht diesen Tee aber die „Green Fly“, eine Blattlaus, die von Natur aus in den Gärten lebt. Der Sommer ist Snackzeit für diese winzigen Insekten: Sie stechen die Blätter an und ernähren sich vom Saft der Pflanze. Was viele Gärtnerinnen und Gärtner als Plage betrachten würden, führt hier zu einer bemerkenswerten Verwandlung. Das Knabbern der Insekten aktiviert die natürlichen Abwehrmechanismen der Teepflanze, verändert ihre Chemie und konzentriert die Aromastoffe im Blatt. Nur etwa 4–5 % der Ernte sind betroffen; sie werden getrennt von den übrigen Blättern verarbeitet und ergeben einen exklusiven Sommertee. Das Abendessen eines Insekts wird zur Freude der Teetrinkenden – und ist ein Beleg für ein gesundes Ökosystem!
Auch als Cold Brew ist er köstlich. Ein paar Stunden in kaltem Wasser im Kühlschrank (oder etwa 30 Minuten bei Zimmertemperatur) ergeben ein süßeres, weicheres Getränk, in dem sein Muskateller-Charakter richtig zur Geltung kommt.
Autumn Flush
Als letzte Ernte des Jahres markiert dieser Tee das stille Schlusskapitel der Teesaison. Wenn der Sommer verklingt und die Temperaturen fallen, bereitet sich die Teepflanze allmählich auf die Ruhephase vor. Das Wachstum verlangsamt sich, Energie wird gespart, und die Blätter entwickeln sich weniger intensiv als im Frühling oder Sommer.
Umso entscheidender ist die Verarbeitung, um das volle Potenzial des Blattes herauszuholen: Höhere Trocknungstemperaturen fördern wärmere, tiefere Aromen. In der Tasse heißt das feine Eichennoten und eine tief bernsteinfarbene Farbe. Dieser Tee passt perfekt zu seiner Jahreszeit, spendet Trost und Wärme, wenn die Tage kühler und kürzer werden – und eignet sich bestens für jeden Tag.
Himalaya Imperial Black
Der dunkelste Tee unserer Kollektion ist ein Sommer-Flush. Bei Jun Chiyabari finden drei Ernten im Früh-, Hoch- und Spätsommer statt, jede mit einem etwas anderen Geschmacksprofil. Imperial Black markiert den Höhepunkt der Saison, wenn ein sehr kleines Zeitfenster die perfekten Bedingungen für seine Eigenschaften bietet. Kombiniert werden Blätter leicht unterschiedlicher Kultivare von verschiedenen Feldern – das gibt seinem Aroma zusätzliche Vielfalt.
So sorgfältig wie die Ernte ist auch die Verarbeitung: Imperial Black entsteht aus einer Kombination von Zeit und behutsamem Umgang. Anders als die üblichen Himalaya-Tees ist er vollständig oxidiert, doch die Blätter werden sehr sanft und langsam gerollt, damit sie nicht brechen – das würde seine milden, ausgewogenen Aromen beeinträchtigen. Anders als die kräftigeren Tassen, die in weiten Teilen Südasiens bevorzugt werden, entsteht so ein dunkles und zugleich weiches Geschmacksprofil, wie man es häufiger bei den ostasiatischen Tees findet, die ihn inspiriert haben. Obwohl er ein Sommertee ist, sorgt er an Wintertagen für Wärme und Gemütlichkeit.





