Weniger, als man denkt. Was du als Intensität schmeckst, kommt von Gerbstoffen, Oxidation und Röstnoten — das Koffein selbst schmeckt man kaum. Ein heller, zarter Tee kann mehr davon enthalten als ein dunkler, kräftiger. Deshalb zeigen wir die beiden Skalen getrennt.
Der Grund liegt in der Pflanze. Koffein ist nicht für uns gedacht, sondern Abwehr: Die Teepflanze bildet es, um Insekten von ihren jüngsten Trieben fernzuhalten. Genau dort sitzt es am dichtesten — in der Knospe und den obersten Blättern, während ältere, festere Blätter weniger enthalten. Ein Tee aus reinen Knospen, hell in der Tasse und zart im Geschmack, liegt beim Koffein deshalb oft höher als ein dunkler Schwarztee. Dazu kommen Sorte, Höhenlage, Temperatur und der Zeitpunkt der Ernte — und am Ende die Tasse selbst: Wie viel Blatt du nimmst, wie heiß das Wasser ist und wie lange es zieht, entscheidet mit, wie viel Koffein wirklich im Aufguss landet.
Die Größenordnung rückt das zurecht. Je nach Blatt und Aufguss liegt eine Tasse Tee zwischen etwa 10 und 70 Milligramm Koffein — unten leichte Aufgüsse aus Stielen und älteren Blättern, oben ein kräftig dosierter Schwarztee aus jungem Blatt. Eine Tasse Kaffee fängt bei rund 90 Milligramm an und kommt je nach Bohne, Röstung und Menge auf 200 und mehr. Kaffee beginnt also ungefähr dort, wo Tee aufhört.
Kurios dabei: Im trockenen Teeblatt steckt anteilig mehr Koffein als in der Kaffeebohne. Entscheidend ist eben nicht der Gehalt im Rohstoff, sondern wie viel davon ins Wasser übergeht — und dafür braucht es Oberfläche. Die Bohne wird gemahlen; ein ganzes Blatt gibt in zwei Minuten nur einen Teil ab. Genau deshalb ist Matcha die Ausnahme unter den Tees: Er wird zu feinem Pulver vermahlen und nicht aufgegossen, sondern mitgetrunken — Blatt und Koffein landen vollständig in der Schale. Ein Matcha liegt damit näher am Kaffee als am Tee.